Weg mit den alten Zöpfen!
Wie richtig sind pauschale Diätverordnungen?
von Hans Otfried Dittmer
"... und dann müssen Sie erst einmal noch auf Kaffee und Schweinefleisch
verzichten!" - Viele Patienten überkommt bei diesen Worten, oft gesprochen
vom Naturheilkunde-Arzt oder vom Heilpraktiker, ein leichtes Grauen.
Ist nicht Kaffee das Nationalgetränk, Schweinefleisch das
Alltagsessen von Deutschen?
Nicht alle unsere Patienten zeigen Einsicht zur Notwenigkeit einer
Diätumstellung (diaita = Lebensweise), ja sie fühlen sich
sehr oft in ihrer persönlichen Freiheit und Entfaltung gehemmt und
opponieren offen gegen derartige "Diäterlasse".
Im Lauf der Jahre entwickelten wir also für verschiedene Patientengruppen
- je nach erwarteter Einsichtsfähigkeit - ebenso verschiedene positiv
formulierte Kurzerklärungen, um die Angelegenheit nachdrücklich
plausibel zu machen. - Das Ergebnis war zwar besser, jedoch gab es weiterhin
heimliche Kaffee- oder Schweinefleischkonsumenten bis zum Exzess.
Seltsamerweise schmälerten diese Diätverfehlungen in ca.
82 % der Fälle keinesfalls erfolgreiche Heilungsvorgänge. - Seit
Reckeweg wissen wir um die Homotoxinlehre und die darin eingeschlossenen
Subtoxine, welche bei übermäßigem Vorhandensein im Organismus
Heilungstendenzen verschleppen oder gar ins Gegenteil verkehren können...
Die direkte Konsequenz aus den (dauerhaften) "Trotz-Diätverstoß-Heilungen"
konnte eigentlich nur sein, sämtliche bekannten Diätpläne
voller Groll zu vernichten ("Lasst die Leute doch essen, was sie wollen!"),
oder auf ihre Verwendbarkeit erneut und mit den Möglichkeiten unserer
Zeit zu überprüfen.
Und hier bietet sich mit großer Präzision das VEGAtest-Verfahren
an, eine Fortentwicklung aus der EAV bzw. der Bioelektrischen Funktionsdiagnostik.
Der Vorteil dieses Systems liegt auf der Hand: Durch Testung der entsprechenden
Präparate an nur noch einem einzigen Punkt, klarer Ja-Nein-Aussage
am Messteil, ohne aufwendige Einstellung auf 50 TS durch Testen verschiedener
Potenzen ein und desselben Präparats, ist eine Testung der 180 bis
200 Grundnahrungsmittel in weniger als zehn Minuten durchzuführen.
- Eine zusätzliche Geschwindigkeitserhöhung ergibt sich aus dem
Biosun-Rotatest-Gerät.
Somit wäre eine Testung zur Einstellung eines individuellen Diätplans
auch in der hektischsten Praxis innerhalb des Zeitlimits möglich.
Bevor wir Sie mit dem Procedere vertraut machen wollen: Sie ahnen sicherlich
schon, was bei den Tests im Zeitraum von nunmehr über zwei Jahren
herauskommen ist. Genau! Von jenen Patienten, denen wir aufgrund ihrer
Diagnose auf jeden Fall Schweinefleischverzicht empfohlen hätten, mussten
sich tatsächlich nur etwa 15 % daran halten, die verbleibenden 85
% verteilen sich auf Rindfleisch, Pute, Kalb, Lamm - aber vor allen Dingen
Milch und Milchprodukte (einschließlich Käse) sowie Weizenmehl
(Vollkorn- und Auszugsmehle!) etc.
Wir sehen aus diesem Ergebnis, dass es zwar nicht schädlich
ist, zumindest für eine gewisse Zeit eine Schweinefleischkarenz zu
empfehlen, dass jedoch durch weiteren Verzehr nicht verbotener Fleischarten
dem Organismus "ungute" Stoffe immer wieder zugeführt werden können.
Die folgerichtige Konsequenz wäre nun, vollkommen fleischlos
zu leben. Dies lässt sich jedoch nur bei den wenigsten durchsetzen,
auch unter Androhung eines baldigen Todes. Außerdem: wir wissen
ja nicht, ob der Stoff, der den Stoffwechsel blockiert, nicht aus cerealen
oder anderen pflanzlichen Bestandteilen entstammt.
Bevor wir nun den armen Kerl ausschließlich parenteral ernähren
oder mit einem Diätplan konfrontieren, der eher einem Credo oder Dogma
entsprungen ist als einer Folge logischer Überlegungen, sollten wir
den oben genannten Test durchführen oder überweisen zu einem
Kollegen, der diesen Test durchführt.
Ergebnisse aus Lebensmittelverträglichkeitstests rechtfertigen
den Aufwand: bisher nicht oder nur schwer therapierbare Fälle werden
"plötzlich" therapierbar, und das mit denselben Homöopathika,
die während stundenlanger Suche dem Kent entlockt wurden, und
wegen denen man bereits den Beruf aufgeben wollte, da sie zunächst
versagten.
Durch Meiden des oder der richtigen unverträglichen Lebensmittel
wird - unserer Erfahrung nach - ein ähnlicher, jedoch dauerhafter
Effekt erreicht, den Reckeweg durch "Interponieren" der sog. intermediären
Katalysatoren kurz- bis mittelfristig bewirkt.
In unserem Praxisablauf werden heute grundsätzlich - bei
Indikation - Lebensmittelverträglichkeitstests vorgeschaltet, zumal
die dafür entstehenden zusätzlichen Kosten den Patienten nicht
nur über Gebühr strapazieren; im Gegenteil: Gleich die
richtige (effektvolle) Therapie anzuwenden, ist bekanntlich billiger und
macht den Behandelten geneigter, Sie weiterzuempfehlen. -Und damit der
Patient etwas in der Hand hat (etwas Schriftliches ist offizieller), wird
ihm im Anschluss an den Test als Ergebnis ein Computerausdruck übergeben.
Ein entsprechendes Programm selbst zu erstellen, ist gar nicht so schwer,
wenn man einen Computer und dazu das entsprechende Handbuch als Rüstzeug
besitzt; aber das Ergebnis kann natürlich auch handschriftlich mitgegeben
werden.
Koryphäen unter den Praktikern werden sich wahrscheinlich die
Haare raufen, wenn wir zum Patienten z. B. sagen: "Colitis ulcerosa? Was
Sie essen dürfen? Nun, essen Sie alles, was Ihnen schmeckt; nur, lassen
Sie mal in der nächsten Zeit Rindfleisch, Milchprodukte und die paar
Sachen, wo Sorbinsäure drin ist, weg. Die verordneten Mittel aber
nehmen Sie ganz regelmäßig!" - Beim nächsten "Ulcerosa-Fall"
kann das alles wieder ganz anders aussehen...
Vorgehen und Equipment
Bei der Ermittlung der zu meidenden Präparate gibt es zwei schnelle
Methoden, basierend auf der VEGAtest-Methode, und eine "gemütliche"
Version, die ausschließlich dem zuverlässigen und verantwortungsbewussten
Patienten als "Heimarbeit" vorbehalten ist:
1. Homöopathisierte Lebensmittel (Testkasten "Food" von Kern-Pharma,
Brühl) in D6. VEGAtest-Gerät (oder vergleichbares), Testgriffel
oder VEGAMeditest-Geräte bzw. Biosun-ROTAtest.
2. Selbstfabrizierter Testsatz nativer Lebensmittel (in D1 auch käuflich
zu erwerben), MORA-Gerät (Einstellung A) mit Messteil, Testgriffel
oder VEGA-Meditestgeräte bzw. Biosum-ROTAtest.
3. Original-Lebensmittel werden in den Mund genommen, der langsam evtl.
sich verändernde Hautwiderstand wird mittels Handelektroden und dem
"Biotester"-Gerät festgestellt und in Zeitabständen notiert.
Eine vierte Methode ist uns auch noch bekannt, jedoch ist sie nicht
sehr aussagekräftig und auch nicht übermäßig genau:
Pulsmessung vor einem Testessen (ambesten morgens nüchtern), danach
Nahrungsaufnahme. Sollte sich der Pulsschlag innerhalb von 30 Minuten (sitzenbleiben!)
um mehr als 10 Schläge pro Minute erhöht haben, war möglicherweise
ein unverträgliches Nahrungsmittel dabei. Tags darauf werden Einzeltests
begonnen, oder - falls sich der Pulsschlag nicht nennenswert erhöht
- es wird das nächste "Testmenü" verspeist.
Wer zunächst einmal versuchen möchte, wie er mit der unter
1. und 2. genannten "Ein-Punkt-Methode" - und den findet jeder Anfänger
an der Hand des Patienten - zurechtkommt, ohne gleich sehr große
Summen zu investieren, dem sei geraten, sich ein handliches Minignost-Gerät
zuzulegen, welches über ein sehr schnelles Anzeigesystem verfügt.
Literatur:
Bachmann/Rademacher: Die Bedeutung der Vegatest-Methoden
für das Allergieproblem. Vega-Mitteilungen Nrn. 1 + 2/1986
Kramer: Lehrbuch der Elektroakupunktur. Bd. 4: Die Mittelwahl
in der EAP. Haug 1981
Kraus: Der Rhythmus unserer Kraft - Eine neue Dimension
unserer Wahrnehmung, Novamed, Gehrden o. J.
Langreder: Von der biologischen zur biophysikalischen
Medizin. Haug, Heidelberg 1985
Morell: Die MORA-Therapie. Haug, Heidelberg 1987
Rademacher: Die Nahrungsmittelallergie - Vegatest. Vegatest-Mitteilungen
Nr. 2/1981
Reckeweg: Vom Sinn der Entzündung. Aurelia, Baden-Baden
1959 (4.Aufl.)
Reckeweg: Homotoxikologie - Ganzheitsschau einer Synthese
der Medizin. Aurelia, Baden-Baden 1977 (4. Aufl.)
Schimmel: Zum Problem der Nahrungsmittelallergie. Vega-Mitteilungen
Nr. 2/1983
Anschriften:
VEGATEST: VEGA Grieshaber, GmbH, Postfach, 7622 Schiltach
MORA-THERAPIE: Med-Tronik GmbH, Postfach, 7632 Friesenheim
BIOTESTER: Pro-Medica GmbH, Postfach 1124, 3007 Gehrden
MINIGNOST: Sander + Wüst, Delsterner Straße
118, 5800 Hagen
ROTATEST 180s: Biosun GmbH, Postfach 1151, 6332 Ehringshausen
Dieser Aufsatz erschien 1989 in der Zeitschrift Naturheilpraxis
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