ASB - Aku-Schmerzbehandlung

Auch ohne Kenntnis von Akupunkturpunkten

von Hans Otfried Dittmer

Um es gleich vorwegzunehmen: Diese Methode basiert nicht auf den Lehren der chinesischen Akupunktur mit ihrer Lehre von Meridianen, Fern- und Sonderpunkten, sondern eher auf bestimmten Regeln der neuralen Therapie. Die ASB ist sehr einfach zu erlernen, da im Prinzip lediglich der Hauptschmerzpunkt sicher geortet werden muss.
 

Grundlagen

Zur Neuraltherapie gehört u.a. die Cornelius´sche Nervenpunkt-Massage, die etwa um 1900 entstand. Gegenstand dieser Behandlungsmethode waren (und sind) knötchenartige Nervenpunkte, die praktisch in jeder Religion des Körpers auftreten können. Selten liegen sie an den großen Nervenbahnen und sind eher "regellos" verstreut. Es wäre purer Zufall, wenn eines dieser Nervenknötchen auf einem der bekannten Akupunkturpunkte positioniert wäre.
Diese Nervenknötchen sind oft derartig winzig, dass sie selbst dem ausgeprägten Tastsinn eines Masseurs entgehen können. Erst, wenn ein Punkt millimetergenau lokalisiert ist, können mittels Druck per Kugelsonde Schmerzreflexe produziert werden.
Jahrelang können diese Nervenknötchen existieren, ohne dass irgendwelche örtliche oder ferne Beschwerden auftreten. Erst wenn chemische, physikalische oder neutrale Mikrotraumata dazukommen, oder wenn (Umwelt-) Gifte massiv eingeschleust werden, ist es dann eines Tages der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen wird.
Dann erst reagiert das Nervenknötchen mit Druckschmerz oder diffusen Beschwerden, sogar auf innere Organe: Haben wir beispielsweise eine Patienten, der über Schmerzen im Ellenbogenbereich (rechts oder links) klagt und gleichzeitig über unklare Herzbeschwerden, so sollten wir zunächst einmal die Ellenbogenbereiche auf Nervenknötchen untersuchen. Warum? - Nun, im Ellenbogenbereich finden sich Nervenbahnen, die eine Affinität zum Wirbel T1 haben. Und über diesen wiederum werden "gute Beziehungen unterhalten" zur Lunge oder zum Herzen.
Aber so kompliziert sollte es gar nicht werden. Was uns hier interessiert, sind lediglich die Nervenpunkte, die nahe am Schmerzgeschehen liegen.
 

Punktsuche

Wir lassen uns einfach vom Patienten erklären, wie sein akuter (z. B.) Kopfschmerz empfunden wird.
Er wird jetzt beispielsweise erklären, der Schmerz zöge sich vom Nacken aus knapp über den Ohren bis in die Schläfen. Was wir jetzt zu tun haben, ist lediglich, den Verlauf des Schmerzes abzutasten und die Hauptschmerzpunkte zu finden.
Wir nehmen dazu am besten eine (abgerundete, stumpfe) Akupunktur-Drucknadel oder (für den Anfänger besser geeignet) ein handliches und preiswertes Handwiderstandsmessgerät.
Den (die) maximalen Schmerzpunkt(e) finden wir, indem wir mit der Drucknadel arrealweise über die Haut gleiten. Sobald sich ein leichter Schmerz (Ausstrahlschmerz) einstellt, versuchen wir, in der Nähe (meist nur 10 bis 15 mm entfernt) das Schmerzzentrum zu finden.
Mit einem Hautwiderstandsmessgerät verfahren wir ähnlich. Es ist jedoch für den Anfänger einfacher: Leuchtet die rote Diode, ohne dass der Patient unmittelbaren Schmerz empfindet, haben wir einen Akupunkturpunkt gefunden. Leuchtet das Lämpchen jedoch, während der Patient Druckschmerz angibt, haben wir einen Maximalpunkt entdeckt.
 

Die Behandlung

Der eigentliche Neuraltherapeut würde den Maximalpunkt mit einer geringen Menge Procain mittels dünnster Kanüle quaddeln. Auch andere Lokalanästhetika können hier zum Einsatz kommen. Ebenfalls erfolgreich erprobt wurde der Ersatz des Lokalanästhetikums durch physiologische Kochsalzlösung. Auch injiziert Homöopathika (besonders mit noxenlösenden Bestandteilen) brachten Erfolge.
Ganz "verwegene" Autoren berichteten auch schon, dass allein der Einstrich der Kanüle, bevor mit dem Spritzen überhaupt begonnen wurde, bereits ausreichte, um blitzartige Schmerzfreiheit zu bewirken.
Worin mag die Wirkung liegen???
Lokalanästhetika nehmen nicht nur den Schmerz, sondern sorgen auch für vermehrte Durchblutung: Geben wir beispielsweise eine lokalanästhetische Salbe auf Mundschleimhäute (bei Aphthen), so bemerken wir, kurz bevor das Gefühl verschwindet, ein ansteigendes Wärmegefühl.
Lassen wir eine dünne Kanüle kurze Zeit in oberen Hautbereichen stecken, so bildet sich bald eine konzentrische Rötung, also eine Mehrdurchblutung.
und auf diesem "Mechanismus" beruht auch unsere ASB-Behandlungstechnik, bei der es Ziel ist, durch Mehrdurchblutung mehr Sauerstoff und Nährstoffe ins "Kriesengebiet" zu transportieren. Gleichzeitig können Noxen nicht nur gelöst, sondern auch durch den vermehrten Blutstrom weggeschwemmt und abtransportiert werden.
Wir benötigen für die ASB weder Injektionsbesteck noch Ampullenpräparate, sondern lediglich Akupunkturnadeln (ich benutze der Einfachheit halber Einmalnadeln mit Führungsröhrchen, Gr. 1 für den Kopfbereich, aber auch bei Kindern, Gr. 5 für den übrigen Körper).
Zurück zu unserem Beispiel: Wir haben also den oder die Maximalpunkte gefunden. Bevor wir diese Punkte stechen, desinfizieren wir das Arreal durch Aufsprühen (muss vollkommen abtrocknen ohne Zuhilfenahme eines Tupfers!) Dann setzen wir das sterile Führungsröhrchen auf und prüfen durch leichten Druck nochmals, ob es sich hier wirklich um den Maximalpunkt handelt. Erst dann drücken wir die Nadel durch das Führungsröhrchen bis zum Anschlag. Für den Patienten ist der Einstich meist nicht spürbar, da er durch den Druck des Führungsröhrchen abgelenkt ist.
Die Akupunkturnadel wird jetzt im Uhrzeigersinn (ohne dass sie dabei tiefer geschoben wird!!!) ein - bis zweimal zwischen Daumen und Zeigefinger gedreht. Dieser Vorgang stimuliert die örtliche Durchblutung und sorgt für einen festeren Sitz.
Hartnäckige Schmerzen, die nach einer ASB-Erstbehandlung bereits nach wenigen Stunden wieder aufgetaucht sind, kann über die Nadel zusätzlich mit Reizströmen oder Piezo-Energie stimuliert werden.
Nach etwa 5 bis 15 Minuten kann die Nadel wieder entfernt werden, am besten in der Ausatemphase des Patienten.
Die Plateauphase der Schmerzfreiheit ist nach maximal 30 Minuten erreicht. Leichte Orthostase-Störungen können als Nebenwirkung (wie ich es auch immer wieder bei Nadel-, Laser- oder Elektroakupunktur feststelle) vorkommen, dürften jedoch nicht länger als zwei Stunden anhalten.
Die Frequenz der ASB sollte nicht über drei Behandlungen pro Woche liegen. Im Regelfall ist aber eine Behandlung pro Woche vollkommen ausreichend. - Als gleichzeitige medikamentöse Behandlung empfiehlt sich die E.O.K. (ungezielte Entgiftung ohne Katalyse) mittels der passenden Meridiankomplexe.
 

Warnung

Selbstverständlich muss der Therapeut absolut "sattelfest" sein, was die anatomischen Gegebenheiten betrifft: Es dürfen natürlich keine Schäden durch unsachgemäße Anwendung provoziert werden. Und es sollte nicht tiefer gestochen werden, als es das Führungsröhrchen der Nadel zulässt. Ansonsten ist die ASB eine ebenso einfache wie verblüffend effektive Behandlungsmethode.
 


Erschienen 1993 in der Zeitschrift HP-Journal, Großmoor
Bisher mal aufgerufen.





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